Internationale Gastronautische Gesellschaft

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Gründungs Manifest 23. Januar 2013

 1. Wir, die Gastronauten geben folgende Erklärung ab: Die Nahrung und Ernährung ist ein Gut das wir kartieren, erforschen und erobern wollen.

2. Es gibt kein Leben ohne das Essen, das in allem innewohnt. Wir besingen die Lebendigkeit des Essens – also das Leben.

3. Wir nehmen es auf uns und betrachten es als unsere Aufgabe, die Lebendigkeit und Vielfalt des Essens sichtbar zu machen. Wir werden die Erscheinungsformen und -weisen vermessen und verspeisen: im Haushalt und Restaurant wo es sich am offensten zeigt aber auch in der Natur, in Automaten, in der Kunst, in der Literatur, in Kellern unter der Erde, in Strassengräben, Abfallsäcken, Komposteimern und Hungergebieten wo es unter der Oberfläche lauert, aber trotz dieser Verborgenheit nichts von seiner Wirkungsmacht einbüsst. Wir werden versuchen seine Gerüche anzuzapfen – in der privaten Küchen und im öffentlichen Raum und überall dort, wo seine Formen aktiv sind.

In einem maximalen Umfang bewegt sich das Essen durch unseren den Alltag: an Banketten, in Kneipen und Restaurants, am Hotdog-Stand und in Kinosäälen, auf Plakatwänden und in Speisewägen, in Fitnesszentren und in der Kirche, im Spital und an Beerdigungen.

Das Essen dringt in unsere Wohnungen: durch TV-Sendungen und Radio, Zeitschriften und Kochbücher, Pizzalieferdiensten und geschenkten Pralinenschachteln, Mutters Brust und Schoppenflaschen, in Tetrapacks und Konservendosen, in Plastiktüten und in Pulverform. Als Wein und als Champagner.

Unsere Körper sind im Grund nichts anderes als Gefässe, die das Essen unweigerlich zu Leben werden lassen. Wir sind alle Gastronauten, jetzt und immer schon.

 

4. Unser oberstes Ziel ist die Erschaffung einer Kultur die lebendig ernährt und nahrhaft lebt. Angesichts Fertiggerichten und Halbfabrikaten, Hungersnöten, Dosenfutter und Schnellimbiss, die ohne uns eine Gegenleistung zu bringen die Geschmacksknospen verkümmern und Geschmack veröden lassen, liegt die Chance der Menschheit darin, wieder auf gute und fantasievolle Art zu speisen. Überlassen wir uns ganz und gar der Nahrung, nicht aus Verzweiflung, sondern entschieden, schöpferisch, Hände, Augen, Nasen und Münder weit geöffnet, damit sie aus der Fülle gespeist werden können.

Bon Appetit.

 

Verfasst von den Gastronauten

Chefsalat: Sandra Kessler
Generaldegustator: Leon Heinz
Chefkochlöffel: Felicia Schäfer
Genehmigt von den passivmitgliedern vertreten durch
Chefkochliterat: Ralf Neubauer